Die visuelle Kennzeichnung von Bottoms innerhalb von BDSM-Beziehungen erfüllt vielfältige Funktionen. Tops und Bottoms nutzen Kleidung, Halsbänder, Körperschmuck, Piercings oder temporäre Tattoos, um Machtverhältnisse, Zugehörigkeit und erotische Dynamik sichtbar zu machen. Solche Markierungen dienen also nicht nur der optischen Zuweisung. Vielmehr unterstützen sie auch erotische Rollenspiele, Fetisch-Praktiken, Dominanz-und-Submission-Szenarien sowie intensive D/s-Interaktionen. Temporäre Varianten wie Bodypainting oder Playpiercings ermöglichen dabei flexible, kurzfristige Markierungen, während Halsbänder, Schmuckringe, Branding und permanente Tattoos langfristige Identitäts- und Besitzsignale setzen. Und nicht zuletzt spielen auch die individuelle Gestaltung, Materialien, Symbole und Platzierung für Ausdruck, Intimität, Kontrolle und erotische Spannung innerhalb der Beziehung eine zentrale Rolle.
Worin besteht der diesbezügliche Reiz für beide Seiten?
Die Gründe, sich eine entsprechende Markierung zu wünschen und vorzunehmen oder vornehmen zu lassen, sind vielfältiger Natur. In den meisten Fällen steht dabei jedoch der Wunsch im Mittelpunkt, der eigenen Beziehung einen mehr oder weniger direkt erkennbaren, auf jeden Fall aber für das Paar fühlbaren Ausdruck zu geben. Bei diesem wiederum steht die Betonung des Machtverhältnisses im Fokus. Gleichzeitig können aber auch andere Aspekte eine Rolle spielen – wie etwa der Ausdruck
eines symbolischen Eigentumsanspruchs |
der Exklusivität, die der Beziehung eigen ist |
von Vertrauen und Hingabe |
einer sichtbaren Erinnerung an die Beziehung und die damit eingegangen Verpflichtungen |
von körperlicher Schönheit und erotischer Spannung |
und der persönlichen Identität |
Und dafür kommen natürlich die verschiedensten Varianten infrage …
Temporäre Markierungen für Bottoms: Schmuck, Halsbänder und Playpiercings
Schmuck
Im Hinblick auf Schmuck ist zweifelsfrei der Ring der O mit der
Triskele als Motiv eine der bekanntesten Varianten. Er ist auch als Ohrring zu finden, kann in ein Halsband eingearbeitet oder Anhänger an einer Kette sein. Alternativ kann jedes Top-Bottom-Paar aber selbstverständlich andere Motive, Materialarten und Farben finden, die für es eine besondere Bedeutung haben und in speziellen Schmuckstücken verarbeitet werden. So kann die ganze Bandbreite von der sehr dezenten, nur für das Paar ersichtlichen bis zur komplett klaren und absolut expliziten Markierung des Bottoms abgedeckt werden.
Halsband
Das
Halsband gehört ebenfalls zu den populärsten und beliebtesten Varianten, um einen Bottom zu markieren und sichtbar zu machen, zu wem seine erotisch-partnerschaftliche Verbindung besteht. Sicherlich geht es dabei auch um praktische Aspekte (etwa ums Fixieren oder ums wortwörtliche An-die-Kette-legen-und-an-dieser-Führen). Oftmals verbinden Top und Bottom damit aber noch viel mehr ein ganz besonderes Zugehörigkeitsgefühl. Zudem kann es bei den submissiven Parts für Geborgenheit und Sicherheit und bei den Tops für Kontrolle und Verantwortung stehen und jeweils ein sichtbarer Ausdruck dieser Aspekte sein.
Wenngleich Piercings – man denke speziell an
Intimpiercings – mehrheitlich auf das langfristige Tragen ausgelegt sind, besteht ebenfalls die Gelegenheit, sie in Form von Playpiercings nur temporär zu nutzen. Besonders dekorativ kann sich dabei das
Korsett-Piercing darstellen, das sich an verschiedenen Körperpartien anbringen lässt. Nippelpiercings oder Genitalpiercings dagegen kommen auch für Bondage, Gewichtshängen oder als Fixierungspunkte infrage.
Henna-Tattoos
Da Henna-Tattoos temporärer Natur sind, sind sie ideal für die temporäre Kennzeichnung für Sessions oder spezielle Veranstaltungen wie den
Stutenmarkt (wenn es kein Branding oder ähnliches sein soll). Der besondere Pluspunkt dabei ist, dass sie sich individuell gestalten lassen, was der einzigartigen Beziehungsdynamik der jeweiligen Top-Bottom-Konstellation entgegenkommt.
Das Zeichnen durch Spanking, Peitschen- und Rohrstockschläge
Auch die Markierungsvariante über das Impact Play, wie man es etwa bei
Spanking Tube sehen kann, kann sowohl eine ästhetische als auch eine symbolische Bedeutung haben. Allerdings bedarf es dabei klarer Absprachen, eines umfassenden technischen Könnens und medizinischen Wissens. Ebenso darf es auf keinen Fall zu Missverständnissen bezüglich der Einvernehmlichkeit kommen. Natürlich darf dabei weder die medizinische noch die emotionale
Nachsorge zu kurz kommen, da diese Spielarten mit körperlichen Schmerzen und Auswirkungen auf die Haut und die Muskeln verbunden sind.
Kreative Markierungen durch Bodypainting und Wachsspiele
Beim
Bodypainting handelt es sich ebenfalls um eine sehr kreative Möglichkeit, den Bottom für den Moment zu markieren, zumal es sich dabei nicht um einen körperlich-invasiven Eingriff handelt. Nimmt der Top die Bemalung persönlich vor, entsteht natürlich ein besonders intimer Moment. Doch auch davon abgesehen kann es sich als spannendes Erlebnis erweisen – gerade dann, wenn nach dem Painting noch eine Foto- und/oder erotische Session folgt …
Und auch durch
Wachsspiele man jemanden als Bottom kennzeichnen und das Ganze als ein sinnlich-ästhetisches Spiel im Rahmen einer Vorführung zelebrieren.
Kleidung als Ausdruck von Machtgefälle und erotischer Dynamik
Ob
sexy Kleider, spezielle
Dessous für Herren oder ganz andere Kleidungsstücke – an der Aussage „Kleider machen Leute“ ist definitiv etwas dran. Und so ist es für ein Top-Bottom-Paar sicherlich nicht allzu schwer, solche zu wählen, die das Machtgefälle deutlich werden lassen. Besonderer Pluspunkt dabei? Durch Kleidungsvorschriften kann der Top dafür sorgen, dass der Bottom seinen Augen, Händen und anderen Körperteilen ganz besonders schmeichelt. Ohne, dass dies für Außenstehende allzu offensichtlich zu sein braucht. Man denke etwa an die ausgeklügelten Outfits der O …
Dauerhafte Markierungen: Branding, Cutting und Tattoos im BDSM-Kontext
Im BDSM-Kontext hat das Branding meistens nicht nur eine schmückende, sondern auch eine kennzeichnende Bedeutung. Das dauerhafte Brandzeichen ist ein besonders eindrücklicher Beleg für die Zugehörigkeit zu einer dominanten Person, wie man in
Die Geschichte der O eindeutig erkennen kann. Und dass das Setzen eines Brandzeichens und die Abheilung schmerzhaft sind, ist ein durchaus willkommener Nebeneffekt.
Cutting
Während beim Branding zum Brandeisen oder zum Violet Wand gegriffen wird, arbeitet man beim Cutting mit einem Messer, um Muster, Symbole oder Schriftzeichen in die Haut des Bottoms zu ritzen. Dennoch gilt es auch bei dieser Technik, auf die psychische und physische Gesundheit des submissiven Parts zu achten, da sie in sämtlichen Hinsichten äußerst sensibel ist.
Wenngleich sich
(erotische) Tattoos inzwischen wieder entfernen oder überarbeiten lassen, zählen sie doch zu den beliebtesten Optionen, wenn es um die langfristige Markierung des Bottoms geht. Kein Wunder, sind den gestalterischen Möglichkeiten doch kaum Grenzen gesetzt, wenn es um das Einbringen von Farbe unter die Haut geht. Aber natürlich heißt es auch hierbei „Safety first“! Genauso wie bei
weiteren Bodymodification-Formen wie Implantaten …
Die erotische Intimität und die Bedeutung des Vertrauens beim Markieren von Bottoms
Fraglos kann man auch ohne einen BDSM-Kontext Spaß an
Körperschmuck und Co. als Ausdruck der eigenen Identität haben – und das ist keine Idee der letzten Jahre oder Jahrzehnte.
Nichtsdestotrotz ist es im Zusammenhang mit einer SM- und/oder einer D/s-Dynamik ein besonderer Moment, was an verschiedenen Faktoren liegt:
- Es handelt sich – speziell bei den temporären Markierungen – um Dinge, die ein hohes Maß an Vertrauen, Hingabe, aber auch dem Willen, sich kompetent um jemanden zu kümmern und ihn psychisch wie physische bestmöglich zu versorgen, erfordern.
- Gleichzeitig erfordert ein Markierungsvorgang vom Bottom, sich in einem sehr persönlichen und verletzlichen Moment für den Top zu öffnen und die Dinge geschehen zu lassen. Es handelt sich also um einen Vorgang, der die emotionale Bindung zwischen den beiden noch einmal deutlich stärken kann.
Sicherheit, Einvernehmlichkeit und Nachsorge bei invasiven Markierungen
Um die Frage "Wem gehörst du?" so sichtbar zu beantworten, muss schon im Vorfeld ein ausreichendes Vertrauensverhältnis bestehen, zumal eine Markierung nur einvernehmlich erfolgen kann. Und nicht zuletzt ist es von Relevanz, dass diese nur dann vorgenommen wird, wenn es im Hinblick auf die psychische und physische Gesundheit des Bottoms keine Gründe gibt, die gegen eine Markierung (welcher Art) auch immer sprechen.
Passend dazu erklärt es sich eigentlich von selbst, dass gerade invasive Varianten nicht ohne eine kompetente Beratung durch Fachpersonal durchgeführt werden dürfen und das auch die gesundheitliche Betreuung (etwa bei
der Pflege von Piercings) in ebensolchen Händen liegen muss. Dementsprechend lässt sich festhalten, dass sie nichts für eine Partylaune sind, sondern wohlüberlegt sein wollen.